militant:

 

im zeitalter der postmoderne, [...] ist der militante wohl derjenige, der das leben der menge am besten zum ausdruck bringt: der akteur biopolitischer produktion und des widerstands gegen das empire. wenn wir vom militanten sprechen, denken wir keineswegs an etwas wie den traurigen, asketischen vertreter der Dritten Internationale [...] und niemanden der auf der grundlage von pflicht und disziplin handelt, und behauptet, seine handlungen leiteten sich aus einem idealen plan her. im gegenteil, wir beziehen uns hier eher auf die kommunisten und die befreiungskaempfer in den revolutionen des 20. jahrhunderts, auf die intelektuellen, die im zuge ihres kampfes gegen den faschismus verfolgt und ausser landes gejagt worden sind, auf die republikaner im spanischen buergerkrieg und [...] auf die freiheitskaempfer in allen antikolonialistischen und antiimperialistischen kriegen.
[...] der militante war der wichtigste akteur auf dem "langen marsch" der arbeiteremanzipation vom 19. ins 20. jahrhundert.[...] in diesem langen zeitraum bestand die taetigkeit des militanten in erster linie darin, in der fabrik und in der gesellschaft praktischen widerstand gegen die kapitalistische ausbeutung zu leisten.
[...] der militante organisierte den kampf in opposition zum zynismus des buergertums, zur monetaeren entfremdung, zur aneignung des lebens, zur ausbeutung von arbeit, zur kolonisierung der affekte, usw.[...]
heute nach so vielen siegen des kapitalismus, nach so vielen desillusionierten sozialistischen hoffnungen und nachdem die kapitalistische gewalt gegen die arbeit unter dem namen des ultra-liberalismus gefestigt zu sein scheint - warum kommt es dennoch immer wieder zu beispielen fuer militanz, warum haben sich die widerstaende vertieft und warum taucht der kampf immer wieder mit neuer kraft auf?
[...] diese neue militanz (wiederholt) nicht einfach die organisationsformen der alten revolutionaeren arbeiterklasse. heute kann ein militanter nicht mehr fuer sich in anspruch nehmen repraesentativ zu handeln, nicht einmal mehr fuer die grundlegenden menschlichen beduerfnisse der ausgebeuteten. revolutionaere politische militanz muss heute im gegenteil das wiederentdecken, was schon seit jeher, die ihr eigene form war: nicht repraesentative, sondern konstituierende taetigkeit. [...] in dieser form erkennen wir und alle, die gegen die herrschaft des kapitals aufbegehren, sich als militante.

empire, negri/hardt, 2000, S 418f